Alle Angaben sind ohne Gewähr last update: 06/06/2008 11:09
| Spanien |
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05/2008,
Werner Schröter (TBA)

Herbst 2007, Raimund Wyhnal
01.10.07
Zwischen der spanischen Hauptstadt Madrid und der am Mittelmeer gelegenen Stadt
Valencia existiert eine Bahnverbindung welche ab dem Bahnhof Aranjuez entlang
einer nicht elektrifizierten Nebenbahn über Cuenca verläuft und im
Personenverkehr mit dreiteiligen Dieseltriebwagen der Reihe 592 bedient wird.
Bei diesen rund 600 kW starken und 140 km/h schnellen Fahrzeugen handelt es sich
um MAN Lizenznachbauten welche durch die RENFE modernisiert werden um damit eine
Verlängerung der Fahrzeuglebenszeit zu erreichen. Der Güterverkehr ist äußerst
spärlich bis nahezu gar nicht vorhanden, weshalb der Anblick von Güterwagen eine
Rarität darstellt. Aufgrund der aktuellen Errichtung einer zweigleisigen
elektrifizierten Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Valencia sind die Tage dieser
überaus idyllischen Nebenbahn bereits gezählt. Ein Umstand welcher anhand des
Verfalls der Bahnanlagen nicht von der Hand zu weisen ist nachdem vorhandene
Ausweichen entfernt und die laufenden Erhaltungsmaßnahmen auf ein Mindestmass
beschränkt worden sind.
Aufgrund der Möglichkeit von Führerstandsmitfahrten ergaben sich zahlreiche Belegaufnahmen zwischen Aranjuez und Cuenca, beachtenswert sind dabei die zahlreichen Flügel- sowie deren Vorsignale. Letztere werden über die vorhandenen Seilzüge vertikal (!) gedreht und zeigen dem Triebfahrzeugführer freie Hauptsignale durch eine grüne Scheibe, Halt zeigende Hauptsignale mit einer gewöhnlichen Warnscheibe an. Das gut besuchte Gasthaus am Bahnhof Cuenca bietet durchwegs günstige Verpflegungsmöglichkeiten an, lediglich der Umstand wonach durch die Kellner (sofern nicht anders gewünscht) spanischer Rotwein als Standardgetränk serviert wird erscheint im ersten Moment eigenartig.
Nach der Ankunft in Aranjuez wurde zum Ausklang des zweiten Tages der ehemalige Bahnhof Las Infantas sowie eine nächst dem Depot La Sagra befindliche Fotostelle aufgesucht, prompt wurden wir dort durch zwei auf Streifenfahrt befindliche Polizisten der als spanischen Bundespolizei bekannten "Guardia Civil" kontrolliert. An sich nicht Außergewöhnliches zumal sich die Guardia Civil aufgrund der bisherigen Terroranschläge auch auf das Kontrollieren von Hochgeschwindigkeitsstrecken konzentriert. Nachdem die Berechtigungskarten sowie die Ausweise begutachtet waren verabschiedeten sich die beiden Polizisten und setzten ihre Streifenfahrt fort. Die bis zur Heimfahrt nach Toledo verbleibende Zeit war großteils von Regen und dichten Wolken geprägt weshalb der Ausflug etwas früher als geplant abgeschlossen worden ist.
Nach der abendlichen Stärkung und einem kurzen Zwischenstopp im Hotel folgte ein Ausflug in die Altstadt von Toledo, welche mit zahlreichen Baumerken einen guten Einblick in ihre Entstehungszeit gewährt. Ein wunderbares Motiv für interessierte Fotografen gewährt das Aufnahmegebäude des Bahnhof Toledo welches 1917 erbaut worden ist: Ad hoc könnte ich keinen dermaßen alten Bahnhof nennen welcher auch nur ansatzweise mit dem spanischen Pendant mithalten kann.
02.10.07
Am dritten Tag widmeten wir uns dem Planverkehr an den Bahnstrecken und suchten
dadurch unterschiedliche Fotostellen auf. Den Beginn machte der nunmehr
aufgelassene Bahnhof Castillejo-Anover wo sich unweit vom Aufnahmegebäude ein
Umladeplatz für Bahnschotter befindet welcher durch das auf Bahnbauunternehmen
VIAS Y CONSTRUCCIONES, S.A. aus Madrid benützt wird. Dieses setzt mit den
Lokomotiven 316 002 und 316 010 zwei
Triebfahrzeuge der Type DL-500A des US amerikanischen Herstellers
American Locomotive Company (ALCO) ein welches 1955 insgesamt 16 Triebfahrzeuge
dieser Gattung DL-500A an die Spanischen Staatsbahnen RENFE lieferte wo die
US-amerikanischen Zugänge mit der Reihenbezeichnung 316 versehen worden sind.
Nach der Ausmusterung wurden die 316 002 und 316 010 an VIAS veräußert welches
die beiden Lokomotiven auch heute noch einsetzt und so konnte vor Ort die für
den nächsten Bauzugeinsatz hinterstellte 316 010 angetroffen und fotografiert
werden.
Zurück beim Aufnahmegebäude begegneten wir der nächsten Rarität in Form eines Unkrautvernichtungszuges. Das Unternehmen Servicios Industriales y Transportes, S.A. (SINTRA, S.A.) mit Sitz in der spanischen Hauptstadt Madrid ist auf dem Gebiet der Unkrautvernichtung tätig und betreut dabei auch das Netz der Spanischen Staatsbahn RENFE. Für diesen Zweck führt Sintra mehrere bei der RENFE eingestellte Unkrautvernichtungszüge im Stand welche, mit einem Triebfahrzeug aus dem Plandienst bespannt, landesweit anzutreffen sind. Die Belegaufnahmen zeigen den mit der 269 087 bespannte Arbeitszug Nr.4 beim Passieren des Bahnhofs Castillejo Anover.
Darüber hinaus gelangen an diesem Tag einige sehenswerte Belegaufnahmen und das Aufkommen an Güterzügen war durchaus akzeptabel, zahlreiche Tfzf grüßten durch das Betätigen der Signalhörner. Als weitere Rarität begegnete uns einer der vierteiligen Elektrotriebwagen der Reihe 120 aus dem Hause Alstom / CAF, laut meinem Informanten sind diese Fahrzeuge üblicherweise nicht an unseren Fotostellen anzutreffen. Das Beachtliche dieser 4000 kW starken, 250 km/h schnellen und für den Einsatz unter 3kV= und 25kV~ geeigneten Fahrzeuge ist ihre Tauglichkeit für Einsätze auf Normal- und Breitspurgleisen durch Umstellen der Drehgestelle.
03.10.07
Das Geschehen am vierten Tag wurde mit einem Ausflug nach Los Yebenes
eingeleitet, nahe einer Hochgeschwindigkeitsstrecke wurde auf die Züge des
Planverkehrs gewartet obwohl das Wetter anfänglich sehr zu wünschen übrig ließ
und sich erst im Laufe des Vormittages zum Positiven änderte. Als Bonus
gesellten sich dafür zwei als Tandem vereinigte "Velaro" Triebwagen aus dem
Hause Siemens vor die Kamera, diese Hochgeschwindigkeitszüge entstammen
bekanntlich der ICE 3 Familie. Im Anschluss daran fand eine "Erkundungsfahrt"
durch das spanische Umland statt welche mit Ciudad Real weit in den
südspanischen Teil führte. Beachtenswert ist dabei das Bahnhofsgebäude welches
im ersten Moment eher an ein Bürogebäude anstatt an einen Bahnhof erinnert,
spätestens seit Toledo verwundert aber auch dieser Umstand nicht.
Nach einer zünftigen Stärkung in einer der idyllischen Gaststätten riskierten wir abermals unser Glück nächst Los Yebenes, anschließend begaben wir uns aber wieder nach Toledo. Um den verbleibenden Abend für mich bestmöglich auszunützen verbrachte ich die zur Verfügung stehende Zeit am Madrider Bahnhof Attocha. Nach einer Kontaktaufnahme mit dem Sicherheitspersonal, dem üblichen Vorweisen der Berechtigungskarte sowie des Ausweises und einer reichlichen Portion Geduld durfte ich am Rande des abgesperrten Bereiches fotografieren. Dabei begegnete ich auch einem der auch als "The Duck" bezeichneten Talgo Hochgeschwindigkeitszüge der Reihe 102 aus dem Hause Bombardier. Aufgrund ihrer markanten Bauform erhielten die jeweils 4000 kW starken und bis zu 330 km/h schnellen Triebköpfe diesen Kosenamen. Aus einer suboptimalen Position gelang mir abschließend noch die Belegaufnahme eines noch in Altlack gehaltenen Pendolino Triebwagens bevor die Retourfahrt nach Toledo angetreten wurde um für den Folgetag gerüstet zu sein.
04.10.07
Bereits in den frühen Morgenstunden des fünften Tages startete ich die Fahrt
nach Madrid um von dort am Abend planmäßig wieder nach Barcelona zu fliegen.
Nach meiner Ankunft am Bahnhof Attocha und dem Hinterstellen des Koffers in der
Aufbewahrung begab ich mich zum Bahnhof Chamartin, welcher als zweitgrößter
Bahnhof der spanischen Hauptstadt anzusehen ist und neben den zahlreichen
Nahverkehrszügen auch mit etwas Fernverkehr aufwartet.
Gleich zu Beginn treffe ich abermals auf eine der sechsachsigen Dieseltriebfahrzeuge der Reihe 333.4, welche auch für die Bespannung von TALGO Zügen herangezogen werden. Bei diesen Lokomotiven handelt es sich um 1875kW starke und 140 km/h schnelle Triebfahrzeuge welche durch Alstom im Zuge eines Refurbishments einen Neubaukasten aus dessen PRIMA Lokfamilie erhielten und grundsätzlich auf der von Macosa (nunmehr Alstom Valencia) gebauten Reihe 333.0 basieren. Das Betriebsgeräusch war jedenfalls nicht zu verübeln, ebenso wenig wie bei der 354 006. 1983 beschafften die Spanischen Staatsbahnen beim Triebfahrzeughersteller Krauss Maffei insgesamt acht Exemplare der vierachsigen Dieseltriebfahrzeugreihe 354 für die Bespannung ihrer Talgo Züge. Das herausragendes Merkmal der 2250kW starken und 200 km/h (!!!) schnellen Triebfahrzeuge ist das niedrige Lichtraumprofil des Lokkastens um damit Vorteile der Talgo Gliederzuges wie reduzierter Material- und Energieverbrauch sowie eine hohe Beschleunigung bestmöglich ausnützen zu können. Sämtliche Triebfahrzeuge wurden dabei traditionell nach Marien-Heiligtümern benannt, wobei derzeit mit 354 001, 354 006 und 354 008 nur mehr drei dieser markanten Lokomotiven noch eingesetzt werden. Oft anzutreffen sind die sechsteiligen Doppelstocktriebwagen der Reihe 450, welche mit ihrer Form sehr an die SNCF Triebwagen der Reihe Z 20500 erinnern, stammen sie doch ebenfalls aus dem Hause Alstom.
Bevor mich mein Weg zum Flughafen führte, wollte ich natürlich auch einigen Sehenswürdigkeiten der spanischen Hauptstadt einen Besuch abstatten. Leider ergab sich beim Königspalast ein „Baustellenschaden“, doch der Charme so mancher in der Innenstadt befindlichen Auslage ist keinesfalls zu verachten!
05.10.07
Am Morgen des sechsten Tages startete ich nach einem kurzen Stelldichein am
Stadthafen in das nahe Umland von Barcelona, genauer gesagt nach Sitges welches
sich rund 30 Kilometer von Barcelona entfernt an der Strecke nach Valencia
befindet. Ein Kollege der Internetseite Drehscheibe-Online (http://www.drehscheibe-online.de/)
empfahl mir eine nächst dem Strand „Playa del Muerto“ befindliche Fotostelle
welche problemlos durch die Benützung eines Taxis vom Vorplatz des Bahnhof
Sitges inkl. einem kurzen Fußmarsch erreicht werden kann. Am Ziel angelangt
findet man eine inmitten herrlichster Küstenlandschaft befindliche Örtlichkeit
vor, welche von Nahverkehrs- und Fernverkehrszügen in einem Intervall von rund 7
– 10 Minuten frequentiert wird und lichtmäßig optimal gelegen ist.
Der erste Zug ließ auch nicht lange auf sich warten, und so ergaben sich einige sehenswerte Belegaufnahmen welche zudem weitere Bekanntschaften mit bislang unbekannten Fahrzeugtypen der RENFE ermöglichten; beispielsweise den Triebwagen der Reihe 444. Diese 1160 kW starken und 140 km/h schnellen Fahrzeuge wurden ab 1980 in einer Stückzahl von 14 Einheiten an die RENFE geliefert welche mittlerweile nur mehr vier dieser Fahrzeuge einsetzt nachdem die restlichen Triebwagen nach Chile verkauft worden sind.
Die vierachsige 311 122 passierte mit einem gemächlichen Tempo die Fotostelle, was mich jedoch im Vergleich zum „TGV“ 101 101 nur wenig verwunderte zumal letztgenanntes Fahrzeug am anderen Ende einen POS Triebkopf (!) gereiht hatte. Besonders erstaunt war ich jedoch über die 252 052 welche mit ihrem „Talgo III“ Wagensatz aus Barcelona kommend Richtung Valencia unterwegs war. Die „Talgo III“ werden bereits 1964 (!) eingesetzt, aktuell können noch 13 Einheiten und eine weitere Talgo III RD (RD = Rodadura desplazable) Garnitur bewundert werden ehe sie während des nächsten Jahres von den S-130 abgelöst werden, den bereits bekannten „Enten“.
Nach dem rund vierstündigen Ausharren an der spätsommerlichen Sonne gönnte ich mir nach dem Aufkommen der ersten Fotowolken ein längst überfälliges Bad im Meer ehe die Heimreise nach Barcelona angetreten wurde wo neben den Venezianischen Türmen mit der Kirche „Sagrada Familia“ (Temple Expiatori de la Sagrada Família) ein sich seit 1882 (!) im Bau befindliches und bis heute unvollendetes Gotteshaus fotografiert worden ist das durch seinen neukatalanischen Stil besticht.
06.10.07
Am vorletzten Tag meines Aufenthaltes in Spanien widmete
ich mich hauptsächlich dem Thema Nahverkehr nachdem Barcelona ein
Straßenbahnnetz aufweist. Den Beginn machte jedoch ein Besuch des "Mercat
Boqueria", welcher sich nur wenige Gassen entfernt von meinem Hotel befand. Von
Montag bis Samstag sind hier neben Obst und Gemüse sind auch zahlreiche Arten
von Meeresfrüchten und Fischsorten erhältlich.
Anschließend wurde der Tibidabo aufgesucht, welcher als Hausberg von Barcelona gilt und einen optimalen Blick auf die Stadt ermöglicht. Selbstverständlich ist auch dieser Platz optimal erreichbar da ab der Endstadtion "Avinguda Tibidabo" der U-Bahn Linie 7 historische Straßenbahnen der 1901 eröffneten "Tramvia Bleu" bis zur halben Höhe des Tibidabo verkehren, von wo man mit der Zahnradbahn zur Bergspitze gelangt. Die Tramvia Bleu ist üblicherweise nur an Wochenenden zwischen 10 - 18 Uhr in Betrieb, zum Einsatz gelangen die liebevoll restaurierten Triebwagen aus dem Eröffnungsjahr welche nach Bedarf in einem Intervall von 15 - 30 Minuten verkehren. Nachdem jene an diesem Samstag eingesetzten Wagen 6 und 10 fotografiert werden konnten, widmete ich mich aber dem modernen Teil der Straßenbahn.
Dieser besteht derzeit aus zwei, untereinander nicht verbundenen, Netzen: Trambaix und Trambesos. Die sich dadurch ergebenden fünf Linien werden mit modernen Niederflur - Zweirichtungswagen der Type Citadis aus dem Hause Alstom bedient welche im Vergleich zu den Pendants aus Lyon oder Valenciennes eine durchaus gefällige Fahrzeugfront erhalten haben. Nachdem während einer Fahrt durch Barcelona einige sonnige Plätze entlang des Stadtrandes ausgekundschaftet worden sind, stand auch hier den Belegaufnahmen nichts mehr im Weg.
Nach einer Stärkung bemühte ich mich vor dem Eintritt der "blauen Stunde" noch rechtzeitig einen guten Platz nächst der "Fontana Magica" (Magischer Brunnen) aufzusuchen. Die Fonatana Magica liegt direkt vor dem Palau Nacional und wartet an den Wochenenden bei Einbruch der Dunkelheit mit kostenlos dargebotenen Effekten aus Licht und Wasser, untermalt von klassischer Musik, auf. Ein sehr empfehlenswertes Schauspiel, und gleichfalls ein Muss für jeden Barcelona Besuch!
07.10.07
Am achten und somit letzten Tag meiner Spanien Reise widmete ich mich mit dem
Parc Güell einem Off Topic Gebiet, zumal auch diese Schönheit Barcelonas besucht
und fotografiert werden sollte. Der der sich auf dem El Carmel Hügel im Bezirk
Gràcia befindende Park Güell wurde durch den Architekten Antoni Gaudí in den
Jahren 1900 bis 1914 erschaffen und galt als Auftragsarbeit für den
Industriellen Eusebi Güell. Dieser wollte ursprünglich eine kleine Siedlung mit
60 dreieckigen Parzellen entstehen lassen, von denen letztendlich aber nur zwei
mit Häusern bebaut worden sind. Eines davon bewohnte Gaudi selbst, heute
befindet sich darin das Gaudi Museum.
Die Gestaltung des Parks ist geprägt durch Gaudis einmaligen Stil, die Gebäude fallen durch ihre außergewöhnlich geformten Dächer mit sonderbaren Spitzen auf. Als Mittelpunkt des Parks gilt die große Terrasse, die von einer langen Sitzbank in Seeschlangenform umrandet wird; von diesem Platz aus kann man einen guten Blick über Barcelona genießen. Immerhin gehört der Parc Güell bereits seit 1984 zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Mit den anbei befinden Belegaufnahmen findet nunmehr auch dieser Reisebericht sein Ende. Ich hoffe wonach die zahlreichen Fotos Gefallen gefunden haben und kann Euch daher einen Aufenthalt in Spanien durchaus empfehlen!